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Für einen Zukunftskonvent Konvent
heißt zunächst einmal nichts weiter als „Versammlung“,
„Zusammenkunft“. In der Geschichte waren mitunter Konvente für revolutionäre
Prozesse und gesellschaftliche Reformen tatsächlich bedeutsam. So spielten sie
eine wesentliche Rolle für die Reformation, als die Strukturen der alten
katholischen Kirche keinen Raum für Diskussionen über notwendige Brüche mit
dem Feudalsystem boten. Es ist auch nicht zufällig, dass die Französische
Nationalversammlung, ein Ergebnis der Französischen Revolution, „Konvent“
genannt wurde. Konvent stand für Demokratisierung. Wir werben für einen
Konvent, der den Sozialforen inhaltliche Impulse geben kann,
insbesondere der Vorbereitung eines Sozialforums in Deutschland. „Wir“ – das sind
Frauen und Männer aus Ost- und Westdeutschland mit sehr unterschiedlichen
Biographien, von recht unterschiedlichem Alter und in
verschiedenen sozialen Situationen, in konkurrierenden Parteien oder
parteilos, aber alle sympathisch und humorvoll. Wir engagieren uns –
wenngleich auch wiederum in unterschiedlicher Art und Weise - für zivile,
demokratische, soziale und ökologische Reformen. Die meisten von uns
beteiligen sich am Porto-Alegre- und/oder Florenz-Prozess. Das heißt, wir
unterstützen aktiv die Idee des Welt- und des Europäischen Sozialforums Räume
zu schaffen, in denen über gerechte Alternativen zum Neoliberalismus und
gemeinsame Aktionen diskutiert werden kann. Warum
„Zukunftskonvent“? Der Begriff „Konvent“
und seine Form wird auch von politischen Akteuren gebraucht, die dem
Neoliberalismus anhängen und Reformen zur wirksameren Durchkapitalisierung der
Gesellschaft wollen. Sie reden von „Demokratie“ und greifen soziale Rechte
an. Sie sagen „Innovation“ und meinen die weitere Entfesselung der Kapitalkräfte.
Sie sprechen von „Bürgergesellschaft“, gebrauchen Erfahrungen
partizipativer Demokratie und grenzen dennoch aus. Sozial Benachteiligte,
Asylbewerber/innen, Ausländer/innen aus nicht genehmen Ländern haben keinen
Platz in ihrer „Bürgergesellschaft“. So hat Meinhard
Miegel einen „Bürgerkonvent“ initiiert, der zum einen darüber befindet,
wem Menschen- und Bürgerrechte zustehen und wem nicht, und zum anderen
„Zukunft“ mit Entwicklung/Vervollkommnung des Neoliberalismus gleichsetzt. Zukunft
soll kein Thema politischer Auseinandersetzungen und schon gar nicht unserer
Diskussionen sein! Der Europäische Konvent für
die Erarbeitung einer Europäischen Verfassung hat nun zwar neue Akteure an den
Tisch geholt, aber einen Entwurf auf diesen gelegt, der Menschen eine
lebenswerte Zukunft verstellt. Wir wollen einen
Konvent, um die dingend notwendige Zukunftsdiskussion in der Gesellschaft zu befördern
– einen Zukunftskonvent. Zukunft ist nicht (neoliberal) vorherbestimmt,
wir können und wollen sie gestalten. Wir haben wir
schon einen Konvent veranstaltet, einen BürgerInnen-
und Sozialkonvent, am 30.10.2003 in der Berliner Humboldt-Universität. Mit dem
Namen wollten wir Miegel und Co. etwas foppen, aber: Es ist nun einmal nicht
leicht, neoliberal gebrauchte Begriffe neu zu besetzen und „Zukunftskonvent“
sagt eher, was wir wollen. |